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Software Entwicklung8. Februar 20266 min read

ERP-Erweiterungen entwickeln: SAP, Dynamics, Odoo individuell anpassen

Ihr ERP kann nicht alles? Custom-Module, Add-ons und Integrationen für SAP, Microsoft Dynamics und Odoo. Kosten, Möglichkeiten, Best Practices.

KoBra Team

ERP-Erweiterungen entwickeln: SAP, Dynamics, Odoo individuell anpassen

Ihr ERP-System ist das Rückgrat Ihres Unternehmens. Aber manchmal passt der Standard nicht. Prozesse werden mit Excel-Workarounds umschifft. Abteilungen pflegen Parallelsysteme. Mitarbeiter fluchen täglich.

Die Lösung: Individuelle Erweiterungen, die das ERP an Ihre Prozesse anpassen — nicht umgekehrt.


Wann lohnt sich eine ERP-Erweiterung?

Klare Indikationen

Wiederkehrende Workarounds: Mitarbeiter exportieren regelmäßig Daten, bearbeiten sie extern und importieren sie wieder.

Manuelle Doppelerfassung: Die gleichen Informationen werden in mehreren Systemen gepflegt.

Fehlende Reports: Wichtige Auswertungen sind nur mit großem Aufwand möglich.

Prozess-Mismatch: Ein Kernprozess Ihres Unternehmens passt nicht ins ERP-Schema.

Integrationslücken: Wichtige Tools (Webshop, CRM, Logistik) sind nicht angebunden.

Wann besser nicht

Prozess ist noch nicht stabil: Erst den Prozess definieren, dann automatisieren.

Standard-Feature existiert: Prüfen Sie, ob das ERP die Funktion nicht doch hat.

Einmaliger Bedarf: Für einmalige Auswertungen lohnt sich keine Entwicklung.

ERP-Wechsel steht an: Investitionen ins Altsystem sind dann verschwendet.


Die drei Wege zur ERP-Erweiterung

1. Konfiguration & Customizing

Was: Bordmittel des ERP nutzen, ohne zu programmieren.

Beispiele:

  • Eigene Felder anlegen
  • Workflows konfigurieren
  • Reports mit Standardtools erstellen
  • Berechtigungen anpassen

Aufwand: Gering (Stunden bis Tage) Kosten: 500 - 5.000€ Wartung: Meist update-sicher

Empfehlung: Immer zuerst prüfen, ob Konfiguration reicht.

2. Add-on / Plugin

Was: Eigenständiges Modul, das sich ins ERP einklinkt.

Beispiele:

  • Branchenspezifische Module (z.B. Bauabrechnung für Dynamics)
  • Zusätzliche Masken und Prozesse
  • Spezielle Berechnungslogik

Aufwand: Mittel (Wochen bis Monate) Kosten: 10.000 - 100.000€ Wartung: Bei ERP-Updates anpassen

Empfehlung: Für wiederkehrende, klar definierte Anforderungen.

3. Externe Integration

Was: Separates System, das via API mit dem ERP kommuniziert.

Beispiele:

  • Webportal für Kunden/Lieferanten
  • Mobile Apps für Außendienst
  • Spezial-Anwendungen (Konfiguratoren, Planungstools)

Aufwand: Variabel Kosten: 15.000 - 200.000€ Wartung: Unabhängig vom ERP-Update-Zyklus

Empfehlung: Für komplexe Anforderungen oder wenn das ERP nicht die richtige Plattform ist.


ERP-Erweiterungen entwickeln: SAP, Dynamics, Odoo individuell anpassen - Illustration

ERP-spezifische Möglichkeiten

SAP (S/4HANA, ECC, Business One)

Erweiterungstechnologien:

  • ABAP: Klassische SAP-Programmierung
  • Fiori/UI5: Moderne Web-Oberflächen
  • SAP BTP: Cloud-basierte Erweiterungen
  • RFC/BAPI: Externe Systemintegration

Typische Erweiterungen:

  • Custom Reports (ALV, Query)
  • Zusätzliche Transaktionen
  • User Exits / BAdIs
  • Fiori Apps für mobile Nutzung

Kostenrahmen:

ErweiterungstypAufwandKosten
Custom Report2-5 Tage2.000 - 5.000€
Zusätzliche Transaktion1-3 Wochen5.000 - 15.000€
Fiori App2-6 Wochen15.000 - 50.000€
Komplexes Add-on2-6 Monate50.000 - 200.000€

Microsoft Dynamics 365

Erweiterungstechnologien:

  • Power Platform: Low-Code (Power Apps, Power Automate)
  • C# / .NET: Plugins und Custom Workflows
  • JavaScript: Client-seitige Anpassungen
  • Azure Functions: Serverless Extensions

Typische Erweiterungen:

  • Model-Driven Apps für spezielle Prozesse
  • Custom Entities und Felder
  • Plugins für Geschäftslogik
  • Power BI Dashboards

Kostenrahmen:

ErweiterungstypAufwandKosten
Power App1-2 Wochen3.000 - 10.000€
Custom Entity + Logik2-4 Wochen8.000 - 20.000€
Plugin-Entwicklung1-4 Wochen5.000 - 25.000€
Komplexe Integration1-4 Monate30.000 - 150.000€

Odoo

Erweiterungstechnologien:

  • Python: Backend-Module
  • XML: Views und Reports
  • JavaScript/OWL: Frontend-Anpassungen
  • REST API: Externe Integration

Typische Erweiterungen:

  • Custom Module für Branchenprozesse
  • Zusätzliche Felder und Views
  • Automatisierte Workflows
  • E-Commerce-Integrationen

Kostenrahmen:

ErweiterungstypAufwandKosten
Einfaches Modul1-2 Wochen3.000 - 8.000€
Branchenmodul1-3 Monate15.000 - 50.000€
E-Commerce-Integration2-6 Wochen10.000 - 30.000€
Komplettes Customizing3-9 Monate40.000 - 150.000€

Best Practices für ERP-Erweiterungen

1. Standard vor Custom

Jede Erweiterung ist technische Schuld. Prüfen Sie dreimal, ob der Standard wirklich nicht reicht.

Fragen Sie sich:

  • Können wir den Prozess anpassen statt das System?
  • Gibt es ein Standard-Modul, das wir noch nicht kennen?
  • Gibt es eine Partner-Lösung am Markt?

2. Upgrade-Fähigkeit sicherstellen

ERP-Erweiterungen, die Updates blockieren, werden teuer.

Maßnahmen:

  • Dokumentierte Erweiterungspunkte nutzen (BAdIs, Extension Points)
  • Keine Modifikation am Standard-Code
  • Automatisierte Tests für Regressionen

3. Klare Schnittstellen

Wenn extern entwickelt wird: Saubere API-Trennung. Das ERP bleibt die "Single Source of Truth".

4. Dokumentation ist Pflicht

Wer hat was warum entwickelt? In 3 Jahren weiß es sonst niemand mehr.

5. Wartungsbudget einplanen

Eine Erweiterung ist nie "fertig". Updates, Bugfixes, Anpassungen — kalkulieren Sie 15-20% der Entwicklungskosten pro Jahr.


Typische Erweiterungs-Szenarien

Szenario 1: Kundenportal

Anforderung: Kunden sollen Bestellungen, Lieferstatus und Rechnungen selbst einsehen können.

Lösung: Web-Portal mit ERP-Integration via API.

Aufwand: 4-8 Wochen Kosten: 20.000 - 50.000€

Nutzen:

  • Weniger Anrufe im Innendienst
  • 24/7 Self-Service
  • Höhere Kundenzufriedenheit

Szenario 2: Mobile Lagerverwaltung

Anforderung: Lageristen sollen Buchungen per Smartphone statt am PC machen.

Lösung: Mobile App mit Barcode-Scanner, Sync mit ERP.

Aufwand: 6-12 Wochen Kosten: 30.000 - 70.000€

Nutzen:

  • Schnellere Buchungen
  • Weniger Fehler
  • Echtzeit-Bestandsdaten

Szenario 3: Branchenspezifische Kalkulation

Anforderung: Die Standard-Kalkulation bildet den Branchenprozess nicht ab.

Lösung: Custom-Modul mit spezieller Berechnungslogik.

Aufwand: 2-4 Monate Kosten: 40.000 - 100.000€

Nutzen:

  • Korrekte Preise ohne Workarounds
  • Schnellere Angebotserstellung
  • Bessere Margensteuerung

Make or Buy: Eigene Entwicklung oder Standardlösung?

Für Eigenentwicklung spricht:

  • Anforderung ist wirklich einzigartig
  • Strategischer Wettbewerbsvorteil
  • Kein passendes Produkt am Markt
  • Langfristige Nutzung geplant

Für Standardlösung spricht:

  • Anforderung ist branchentypisch
  • Budget ist begrenzt
  • Schnelle Umsetzung nötig
  • Kein internes Know-how vorhanden

Die Faustregel

Wenn 3+ Wettbewerber das gleiche Problem haben, gibt es wahrscheinlich eine Lösung am Markt. Recherchieren Sie, bevor Sie entwickeln.


So arbeiten wir bei KoBra

Schritt 1: Anforderungsanalyse

  • Bestehende Prozesse verstehen
  • Lücken identifizieren
  • Standard vs. Custom bewerten

Schritt 2: Lösungsdesign

  • Technologie auswählen
  • Architektur definieren
  • Aufwand schätzen

Schritt 3: Entwicklung

  • Iterative Umsetzung
  • Enge Abstimmung mit Key Usern
  • Kontinuierliches Testing

Schritt 4: Rollout & Support

  • Schulung der Anwender
  • Go-Live Begleitung
  • Wartung und Weiterentwicklung

ERP-Erweiterung planen?

Wir analysieren Ihre Anforderung und zeigen, ob Standard, Konfiguration oder Custom-Entwicklung der richtige Weg ist.

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Zusammenfassung

  • Wann: Bei wiederkehrenden Workarounds und Prozess-Mismatches
  • Drei Wege: Konfiguration, Add-on, externe Integration
  • Kosten: 500€ (Customizing) bis 200.000€+ (komplexe Module)
  • Best Practices: Standard vor Custom, Upgrade-Fähigkeit, Dokumentation
  • Wichtig: Wartungsbudget einplanen (15-20% p.a.)

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