ERP-Erweiterungen entwickeln: SAP, Dynamics, Odoo individuell anpassen
Ihr ERP-System ist das Rückgrat Ihres Unternehmens. Aber manchmal passt der Standard nicht. Prozesse werden mit Excel-Workarounds umschifft. Abteilungen pflegen Parallelsysteme. Mitarbeiter fluchen täglich.
Die Lösung: Individuelle Erweiterungen, die das ERP an Ihre Prozesse anpassen — nicht umgekehrt.
Wann lohnt sich eine ERP-Erweiterung?
Klare Indikationen
✅ Wiederkehrende Workarounds: Mitarbeiter exportieren regelmäßig Daten, bearbeiten sie extern und importieren sie wieder.
✅ Manuelle Doppelerfassung: Die gleichen Informationen werden in mehreren Systemen gepflegt.
✅ Fehlende Reports: Wichtige Auswertungen sind nur mit großem Aufwand möglich.
✅ Prozess-Mismatch: Ein Kernprozess Ihres Unternehmens passt nicht ins ERP-Schema.
✅ Integrationslücken: Wichtige Tools (Webshop, CRM, Logistik) sind nicht angebunden.
Wann besser nicht
❌ Prozess ist noch nicht stabil: Erst den Prozess definieren, dann automatisieren.
❌ Standard-Feature existiert: Prüfen Sie, ob das ERP die Funktion nicht doch hat.
❌ Einmaliger Bedarf: Für einmalige Auswertungen lohnt sich keine Entwicklung.
❌ ERP-Wechsel steht an: Investitionen ins Altsystem sind dann verschwendet.
Die drei Wege zur ERP-Erweiterung
1. Konfiguration & Customizing
Was: Bordmittel des ERP nutzen, ohne zu programmieren.
Beispiele:
- Eigene Felder anlegen
- Workflows konfigurieren
- Reports mit Standardtools erstellen
- Berechtigungen anpassen
Aufwand: Gering (Stunden bis Tage) Kosten: 500 - 5.000€ Wartung: Meist update-sicher
Empfehlung: Immer zuerst prüfen, ob Konfiguration reicht.
2. Add-on / Plugin
Was: Eigenständiges Modul, das sich ins ERP einklinkt.
Beispiele:
- Branchenspezifische Module (z.B. Bauabrechnung für Dynamics)
- Zusätzliche Masken und Prozesse
- Spezielle Berechnungslogik
Aufwand: Mittel (Wochen bis Monate) Kosten: 10.000 - 100.000€ Wartung: Bei ERP-Updates anpassen
Empfehlung: Für wiederkehrende, klar definierte Anforderungen.
3. Externe Integration
Was: Separates System, das via API mit dem ERP kommuniziert.
Beispiele:
- Webportal für Kunden/Lieferanten
- Mobile Apps für Außendienst
- Spezial-Anwendungen (Konfiguratoren, Planungstools)
Aufwand: Variabel Kosten: 15.000 - 200.000€ Wartung: Unabhängig vom ERP-Update-Zyklus
Empfehlung: Für komplexe Anforderungen oder wenn das ERP nicht die richtige Plattform ist.

ERP-spezifische Möglichkeiten
SAP (S/4HANA, ECC, Business One)
Erweiterungstechnologien:
- ABAP: Klassische SAP-Programmierung
- Fiori/UI5: Moderne Web-Oberflächen
- SAP BTP: Cloud-basierte Erweiterungen
- RFC/BAPI: Externe Systemintegration
Typische Erweiterungen:
- Custom Reports (ALV, Query)
- Zusätzliche Transaktionen
- User Exits / BAdIs
- Fiori Apps für mobile Nutzung
Kostenrahmen:
| Erweiterungstyp | Aufwand | Kosten |
|---|---|---|
| Custom Report | 2-5 Tage | 2.000 - 5.000€ |
| Zusätzliche Transaktion | 1-3 Wochen | 5.000 - 15.000€ |
| Fiori App | 2-6 Wochen | 15.000 - 50.000€ |
| Komplexes Add-on | 2-6 Monate | 50.000 - 200.000€ |
Microsoft Dynamics 365
Erweiterungstechnologien:
- Power Platform: Low-Code (Power Apps, Power Automate)
- C# / .NET: Plugins und Custom Workflows
- JavaScript: Client-seitige Anpassungen
- Azure Functions: Serverless Extensions
Typische Erweiterungen:
- Model-Driven Apps für spezielle Prozesse
- Custom Entities und Felder
- Plugins für Geschäftslogik
- Power BI Dashboards
Kostenrahmen:
| Erweiterungstyp | Aufwand | Kosten |
|---|---|---|
| Power App | 1-2 Wochen | 3.000 - 10.000€ |
| Custom Entity + Logik | 2-4 Wochen | 8.000 - 20.000€ |
| Plugin-Entwicklung | 1-4 Wochen | 5.000 - 25.000€ |
| Komplexe Integration | 1-4 Monate | 30.000 - 150.000€ |
Odoo
Erweiterungstechnologien:
- Python: Backend-Module
- XML: Views und Reports
- JavaScript/OWL: Frontend-Anpassungen
- REST API: Externe Integration
Typische Erweiterungen:
- Custom Module für Branchenprozesse
- Zusätzliche Felder und Views
- Automatisierte Workflows
- E-Commerce-Integrationen
Kostenrahmen:
| Erweiterungstyp | Aufwand | Kosten |
|---|---|---|
| Einfaches Modul | 1-2 Wochen | 3.000 - 8.000€ |
| Branchenmodul | 1-3 Monate | 15.000 - 50.000€ |
| E-Commerce-Integration | 2-6 Wochen | 10.000 - 30.000€ |
| Komplettes Customizing | 3-9 Monate | 40.000 - 150.000€ |
Best Practices für ERP-Erweiterungen
1. Standard vor Custom
Jede Erweiterung ist technische Schuld. Prüfen Sie dreimal, ob der Standard wirklich nicht reicht.
Fragen Sie sich:
- Können wir den Prozess anpassen statt das System?
- Gibt es ein Standard-Modul, das wir noch nicht kennen?
- Gibt es eine Partner-Lösung am Markt?
2. Upgrade-Fähigkeit sicherstellen
ERP-Erweiterungen, die Updates blockieren, werden teuer.
Maßnahmen:
- Dokumentierte Erweiterungspunkte nutzen (BAdIs, Extension Points)
- Keine Modifikation am Standard-Code
- Automatisierte Tests für Regressionen
3. Klare Schnittstellen
Wenn extern entwickelt wird: Saubere API-Trennung. Das ERP bleibt die "Single Source of Truth".
4. Dokumentation ist Pflicht
Wer hat was warum entwickelt? In 3 Jahren weiß es sonst niemand mehr.
5. Wartungsbudget einplanen
Eine Erweiterung ist nie "fertig". Updates, Bugfixes, Anpassungen — kalkulieren Sie 15-20% der Entwicklungskosten pro Jahr.
Typische Erweiterungs-Szenarien
Szenario 1: Kundenportal
Anforderung: Kunden sollen Bestellungen, Lieferstatus und Rechnungen selbst einsehen können.
Lösung: Web-Portal mit ERP-Integration via API.
Aufwand: 4-8 Wochen Kosten: 20.000 - 50.000€
Nutzen:
- Weniger Anrufe im Innendienst
- 24/7 Self-Service
- Höhere Kundenzufriedenheit
Szenario 2: Mobile Lagerverwaltung
Anforderung: Lageristen sollen Buchungen per Smartphone statt am PC machen.
Lösung: Mobile App mit Barcode-Scanner, Sync mit ERP.
Aufwand: 6-12 Wochen Kosten: 30.000 - 70.000€
Nutzen:
- Schnellere Buchungen
- Weniger Fehler
- Echtzeit-Bestandsdaten
Szenario 3: Branchenspezifische Kalkulation
Anforderung: Die Standard-Kalkulation bildet den Branchenprozess nicht ab.
Lösung: Custom-Modul mit spezieller Berechnungslogik.
Aufwand: 2-4 Monate Kosten: 40.000 - 100.000€
Nutzen:
- Korrekte Preise ohne Workarounds
- Schnellere Angebotserstellung
- Bessere Margensteuerung
Make or Buy: Eigene Entwicklung oder Standardlösung?
Für Eigenentwicklung spricht:
- Anforderung ist wirklich einzigartig
- Strategischer Wettbewerbsvorteil
- Kein passendes Produkt am Markt
- Langfristige Nutzung geplant
Für Standardlösung spricht:
- Anforderung ist branchentypisch
- Budget ist begrenzt
- Schnelle Umsetzung nötig
- Kein internes Know-how vorhanden
Die Faustregel
Wenn 3+ Wettbewerber das gleiche Problem haben, gibt es wahrscheinlich eine Lösung am Markt. Recherchieren Sie, bevor Sie entwickeln.
So arbeiten wir bei KoBra
Schritt 1: Anforderungsanalyse
- Bestehende Prozesse verstehen
- Lücken identifizieren
- Standard vs. Custom bewerten
Schritt 2: Lösungsdesign
- Technologie auswählen
- Architektur definieren
- Aufwand schätzen
Schritt 3: Entwicklung
- Iterative Umsetzung
- Enge Abstimmung mit Key Usern
- Kontinuierliches Testing
Schritt 4: Rollout & Support
- Schulung der Anwender
- Go-Live Begleitung
- Wartung und Weiterentwicklung
ERP-Erweiterung planen?
Wir analysieren Ihre Anforderung und zeigen, ob Standard, Konfiguration oder Custom-Entwicklung der richtige Weg ist.
Kostenlose Erstberatung →Zusammenfassung
- Wann: Bei wiederkehrenden Workarounds und Prozess-Mismatches
- Drei Wege: Konfiguration, Add-on, externe Integration
- Kosten: 500€ (Customizing) bis 200.000€+ (komplexe Module)
- Best Practices: Standard vor Custom, Upgrade-Fähigkeit, Dokumentation
- Wichtig: Wartungsbudget einplanen (15-20% p.a.)
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