149.000 offene IT-Stellen in Deutschland. Das ist die Zahl, die Bitkom jedes Jahr veröffentlicht. Und jedes Jahr wird sie größer.
Ihr HR-Team weiß das. Ihr CTO weiß das. Die Frage ist: Was machen Sie damit?
Die meisten Unternehmen versuchen, sich gegenseitig die wenigen verfügbaren Entwickler abzuwerben. Höhere Gehälter. Bessere Benefits. Home-Office-Regelungen. Obstkorb.
Das Problem: Alle machen das. Und der Pool an verfügbaren Entwicklern wächst nicht proportional zur Nachfrage.
Es gibt einen anderen Weg. Einen, bei dem Sie nicht mit Google und Microsoft um dieselben 500 Senior-Entwickler konkurrieren müssen.
Die Zahlen zum IT-Fachkräftemangel
Die 149.000 offenen Stellen sind keine theoretische Zahl. Das sind konkrete Projekte, die nicht starten. Software, die nicht entwickelt wird. Digitalisierungsvorhaben, die in Schubladen landen.
Bitkom fragt das jedes Jahr ab. 2022 waren es 137.000 Stellen. 2023: 149.000. Die Tendenz ist eindeutig.
Was die Zahl nicht zeigt: Wie lange diese Stellen durchschnittlich offen bleiben. Stepstone gibt für Senior-Entwickler eine Time-to-Hire von 6-9 Monaten an. In manchen Regionen und für spezialisierte Profile sogar länger.
9 Monate, in denen Ihr Projekt nicht vorankommt. 9 Monate, in denen Ihre bestehenden Entwickler Überstunden machen. 9 Monate, in denen Sie Marktchancen verpassen.
62% der Unternehmen sehen den Fachkräftemangel mittlerweile als größte Geschäftsbedrohung. Größer als Rezession. Größer als Lieferkettenprobleme. (Quelle: DIHK-Umfrage 2023)
Besonders hart trifft es:
- Mittelständische Unternehmen: Können nicht mit den Gehältern von Konzernen mithalten
- Ländliche Regionen: Remote Work hilft, aber viele Entwickler ziehen trotzdem Städte vor
- Nicht-Tech-Unternehmen: Ein Maschinenbauer oder Logistiker ist für Entwickler weniger attraktiv als ein Software-Startup
Und dann sind da noch die Gehälter. Ein Senior-Entwickler kostet heute 80.000-120.000€ Jahresgehalt. In München und Frankfurt eher am oberen Ende. Plus Arbeitgeberkosten sind Sie schnell bei 150.000€ pro Kopf.
Tendenz steigend.
Warum "mehr recruitieren" nicht funktioniert
Die Standard-Antwort auf den Fachkräftemangel: "Wir müssen besser recruitieren. Employer Branding ausbauen. Mehr Budget für Headhunter."
Das Problem: Sie konkurrieren um einen Pool, der nicht wächst.
Der Pool wird nicht größer
Deutschland produziert etwa 30.000 Informatik-Absolventen pro Jahr. Diese Zahl ist seit Jahren relativ stabil. Ein kleiner Teil davon geht in die Forschung, ein Teil ins Ausland. Der Nachschub reicht nicht.
Quereinsteiger und Bootcamps helfen. Aber ein 3-Monats-Bootcamp produziert keine Senior-Entwickler mit 10 Jahren Erfahrung. Die brauchen Sie aber für die komplexen Projekte.
Remote Work hat den Wettbewerb globalisiert
Früher konkurrierten Sie mit Unternehmen in Ihrer Region. Heute konkurrieren Sie mit US-Tech-Firmen, die remote einstellen und in Dollar zahlen.
Ein deutscher Entwickler kann für ein Silicon-Valley-Unternehmen arbeiten, ohne umzuziehen. Und verdient dann 150.000 USD statt 80.000€.
Wie wollen Sie da mithalten, wenn Sie Produktion oder Logistik machen statt Software?
Employer Branding reicht nicht
Alle bieten mittlerweile "flache Hierarchien" und "agile Methoden" an. Wenn jeder das macht, ist es kein Unterscheidungsmerkmal mehr.
Entwickler wählen Jobs nach drei Kriterien: Gehalt, Tech-Stack, und Team. Beim Tech-Stack können Sie teilweise mithalten. Beim Team ist es schwierig, wenn Sie keine große Tech-Reputation haben. Bleibt Gehalt.
Und das bringt uns zurück zum Anfang: Sie bieten mehr, alle anderen bieten mehr, die Preise steigen. Niemand gewinnt außer den Entwicklern.
Outsourcing hat Grenzen
Outsourcing nach Indien oder Osteuropa klingt attraktiv. Günstiger, größerer Talent-Pool.
In der Praxis kommen dann: Zeitzonen-Probleme. Sprachbarrieren. Kulturelle Unterschiede im Arbeiten. Qualitätskontrolle. Wissenstransfer.
Funktioniert für manche Aufgaben. Für strategische Software-Entwicklung bleiben die meisten Unternehmen lieber in-house.
Die unbequeme Wahrheit
Sie können das Problem nicht mit Recruiting lösen. Nicht nachhaltig. Nicht skalierbar.
Solange Sie Software entwickeln, indem Sie Menschen-Stunden kaufen, werden Sie in diesem Wettbewerb feststecken.
Die Lösung ist nicht, mehr Entwickler zu finden. Die Lösung ist, weniger Entwickler zu brauchen.
Der Paradigmenwechsel: Weniger Entwickler, mehr KI
Stellen Sie sich vor, Sie bräuchten nur 2 Entwickler statt 5. Für dasselbe Output.
Das würde bedeuten:
- Kleineres Team, leichter zu finden
- Höhere Gehälter für die 2, weil Sie das Budget von 5 haben
- Schnellere Entscheidungen, weniger Koordinationsaufwand
- Weniger Abhängigkeit von einzelnen Personen
Klingt unrealistisch? Ist es nicht. Die Gleichung funktioniert so:
1 erfahrener Senior-Entwickler + KI-Agenten = Output von 4-5 Entwicklern
Nicht 1:1. Nicht für alle Aufgaben. Aber für einen großen Teil der täglichen Entwicklerarbeit.
Warum das funktioniert
Schauen Sie sich an, womit Ihre Entwickler ihre Zeit verbringen:
- 20% strategische Architektur-Arbeit
- 25% eigentliche Feature-Entwicklung
- 15% Testing und Test-Wartung
- 15% Code Reviews
- 10% Bugfixes
- 10% Dokumentation
- 5% Meetings
Die unteren 60-70% sind Routine-Arbeit. Wichtig, aber repetitiv. Regelbasiert. Gut spezifizierbar.
Genau das, wofür KI gebaut wurde.
KI erledigt Routine-Arbeit 10x schneller und ohne Fehler
GitHub Copilot beschleunigt Code-Schreiben um Faktor 2-3. Das ist der Anfang.
Spezialisierte KI-Agenten gehen weiter:
- Schreiben komplette Test-Suites basierend auf Code
- Führen automatische Code Reviews durch (Security, Performance, Best Practices)
- Generieren API-Dokumentation aus Code
- Finden und fixen einfache Bugs selbstständig
- Refactorn Legacy-Code nach modernen Standards
Ein Mensch braucht 2 Stunden für ein umfassendes Code Review. Ein KI-Agent braucht 2 Minuten und übersieht keine Standard-Fehler.
Der Mensch konzentriert sich auf das, was Menschen gut können
Architektur-Entscheidungen. Business-Logik. Produkt-Strategie. Stakeholder-Kommunikation.
Die Dinge, für die Sie eigentlich einen Senior-Entwickler einstellen. Nicht um Boilerplate-Code zu schreiben.
Das ist kein Ersatz. Das ist eine Verstärkung. Ein Force-Multiplier.
Welche Aufgaben KI übernimmt, welche beim Menschen bleiben
Konkret, was ändert sich im Alltag?
KI übernimmt
Code-Generierung nach Spezifikation
Sie beschreiben, was die Funktion tun soll. Die KI schreibt den Code. Sie reviewen und integrieren.
Funktioniert besonders gut für:
- CRUD-Operationen
- API-Endpoints
- Datenbank-Migrationen
- Frontend-Komponenten mit klarem Design
- Standard-Authentifizierung
Test-Erstellung und Test-Wartung
Ihre Entwickler schreiben Code. Die KI generiert automatisch Unit-Tests, Integration-Tests, Edge-Cases.
Tests brechen nach Code-Änderungen? Die KI updated sie automatisch.
Code Reviews
Security-Checks. Performance-Analyse. Style-Guide-Compliance. Best-Practice-Violations.
Alles automatisch. Bevor ein Mensch draufschaut.
Dokumentation
README-Files. API-Docs. Inline-Kommentare. Changelog-Generierung.
Die KI extrahiert das aus dem Code. Hält es aktuell. Ihr Entwickler muss es nur noch absegnen.
Bug-Triage und einfache Bugfixes
"Button funktioniert nicht" → KI findet den Event-Handler-Fehler und fixt ihn.
"API wirft 500er Error" → KI checkt Logs, findet die Null-Reference, schreibt Defensive-Code.
Nicht alle Bugs. Aber die einfachen 40% verschwinden aus dem Backlog.
Refactoring und Code-Migration
Legacy-Code auf neue Framework-Version migrieren? KI macht das in Stunden statt Wochen.
Alte API ersetzen durch neue? KI findet alle Stellen, schlägt Replacements vor.
Mensch bleibt verantwortlich für
Architektur-Entscheidungen
Microservices oder Monolith? PostgreSQL oder MongoDB? REST oder GraphQL?
Das sind strategische Entscheidungen mit langfristigen Konsequenzen. Die trifft ein erfahrener Mensch.
Produkt-Strategie und Priorisierung
Welches Feature bauen wir als nächstes? Was bringt den meisten Business-Value?
KI kann analysieren. Aber entscheiden muss der Mensch, der das Business versteht.
Stakeholder-Kommunikation
Mit dem Vertrieb sprechen. Dem Management technische Komplexität erklären. Requirements mit Fachabteilungen klären.
Das ist menschliche Arbeit. Wird es bleiben.
Komplexe Business-Logik
Algorithmen für Pricing-Optimierung. Matching-Logik in einer Plattform. Compliance-Regeln mit 50 Edge-Cases.
KI kann helfen. Aber die Verantwortung trägt der Senior-Entwickler.
KI-Agent-Supervision und -Training
Jemand muss die KI-Agents konfigurieren. Ihnen beibringen, wie Ihr System funktioniert. Ihre Outputs kontrollieren.
Das ist der neue Teil des Jobs. Und ein wichtiger.
Der neue Job-Titel: "KI-Supervisor" statt "Senior Developer"
Manche nennen es "AI-Enhanced Engineer". Andere "Augmented Developer".
Am Ende ist es ein Senior-Entwickler, der:
- 30% selbst coden kann
- 70% Code von KI-Agents reviewed, integriert und orchestriert
Wie ein Dirigent statt ein Solo-Musiker.
Das Output? Deutlich höher als vorher.
Was das für Ihr Unternehmen bedeutet
Praktisch, was ändert sich in Ihrer IT-Organisation?
Sie brauchen weniger Stellen zu besetzen
Statt 5 Entwickler für ein neues Projekt brauchen Sie 2. Einer davon ist der Lead, der zweite unterstützt.
Das halbiert Ihren Recruiting-Aufwand. Sie konkurrieren um 2 Personen, nicht 5.
In einem Markt mit 149.000 offenen Stellen ist das ein entscheidender Vorteil.
Die 2 müssen erfahren sein
Sie brauchen Seniors. Mid-Level reicht nicht für die Rolle des KI-Supervisors.
Das ist wichtig: Sie tauschen Quantität gegen Qualität. 2 exzellente Entwickler statt 5 durchschnittliche.
Juniors werden in diesem Setup schwieriger. Die lernen normalerweise von Seniors durch Code-Arbeit. Wenn die KI den Code schreibt, fällt dieser Lernpfad weg.
Manche Unternehmen rotieren Juniors durch verschiedene Rollen. Andere fokussieren komplett auf Senior-Hiring. Beides funktioniert.
Sie können bessere Gehälter zahlen
Budget für 5 Entwickler: 5 × 100.000€ = 500.000€.
Budget für 2 Senior-Entwickler + KI-Infrastruktur: 2 × 150.000€ + 50.000€ = 350.000€.
Sie sparen 150.000€ und zahlen jedem Entwickler 50% mehr als vorher.
Das macht Sie attraktiver im Recruiting. Nicht viele Mittelständler zahlen 150k für einen Entwickler. Sie können es, weil Sie effizienter arbeiten.
Weniger Abhängigkeit von einzelnen Personen
Das Bus-Faktor-Problem: "Was passiert, wenn Person X von einem Bus überfahren wird?"
In einem 5-Personen-Team ist das kritisch. In einem 2-Personen-Team mit KI-Agents weniger.
Warum? Weil die KI die Code-History, Architektur-Entscheidungen und Business-Logik dokumentiert hat. Automatisch. Aktuell.
Ein neuer Entwickler kann sich schneller einarbeiten. Die KI erklärt ihm das System.
Skalierung ohne proportional mehr Personal
Ihr Business wächst. Sie brauchen mehr Features.
Früher: 5 Entwickler für ein Produkt, 10 für zwei Produkte, 15 für drei.
Jetzt: 2 für ein Produkt, 3 für zwei Produkte, 4 für drei.
Die Skalierung ist nicht linear. Die KI-Infrastruktur skaliert mit, die Entwickler orchestrieren mehr Agents.
Das ist besonders relevant für Unternehmen mit mehreren Produktlinien oder Services.
Was das nicht löst
Ehrlichkeit: Das ist kein Allheilmittel.
KI ersetzt nicht alle Entwickler. Sie ersetzt bestimmte Aufgaben. Die repetitiven, die gut spezifizierbaren.
Für cutting-edge Forschung brauchen Sie immer noch ein großes Team. Für hochgradig spezialisierte Domänen (embedded systems, Quanten-Computing) hilft KI nur begrenzt.
Und: Sie brauchen immer noch exzellente Entwickler. Nur weniger davon.
Der Fachkräftemangel wird nicht besser. Aber Ihre Abhängigkeit davon kann kleiner werden.
Die 149.000 offenen IT-Stellen werden nicht verschwinden. Eher werden es mehr.
Sie können weiter versuchen, sich in diesem Markt durchzusetzen. Höhere Gehälter bieten. Bessere Benefits. Mit hundert anderen Unternehmen um dieselben Profile konkurrieren.
Oder Sie ändern die Gleichung.
Weniger Entwickler. Höhere Qualität. Mehr Output pro Kopf.
Das ist keine Zukunftsmusik. Unternehmen machen das heute schon. GitHub berichtet, dass Entwickler mit Copilot 55% produktiver sind. Und das ist nur der Anfang.
Spezialisierte KI-Agents für Testing, Code-Review, Dokumentation gehen deutlich weiter.
Die Frage ist nicht, ob das funktioniert. Die Frage ist, wann Sie anfangen.
Denn während Sie überlegen, setzen Ihre Wettbewerber das bereits um. Mit kleineren, effizienteren Teams.
Der Fachkräftemangel ist real. Aber er ist nicht unausweichlich.
Weiterführende Ressourcen:
- Software-Automatisierung mit KI-Agenten - Wie Sie KI-Agenten konkret in Ihrer Softwareentwicklung einsetzen
- Was ein Entwicklerteam wirklich kostet - Vollständige Kostenrechnung inklusive versteckter Kosten
- ROI-Rechnung für KI in der Softwareentwicklung - Mit welcher Amortisationszeit Sie rechnen können
Alternativen zum internen Team:
- Inhouse vs. Agentur: Der Vergleich - Wann lohnt sich was?
- Nearshore vs. Offshore Outsourcing - Polen oder Indien?
- MVP entwickeln lassen - Schnell starten mit externem Team
